Testbetrieb Like Ice (Foto: Hall AG)

Neues Eislaufsystem in Hall i. T. vorgestellt

Die Eislaufsaison in Hall i. T. war 2013/2014 geprägt von milden Temperaturen, schwierigen Eissportbedingungen und einem deutlichen Besucherrückgang. Die Hall AG als verantwortliche Betreiberin der Anlage steht vor immer größeren ökologischen als auch ökonomischen Herausforderungen, um den Eislaufplatz sinnvoll weiter betreiben zu können. Die Eisproduktion ist mittlerweile nur mehr unter immensem Aufwand zu bewerkstelligen, der Betrieb des Eislaufplatzes ist lediglich eingeschränkt möglich. Gleichzeitig steht eine kostenintensive Sanierung der Anlage an. Nun prüft die Hall AG neue Möglichkeiten, den Lauf auf Schlittschuhen für die Öffentlichkeit auch in Zukunft sicherzustellen.

Für die Eismeister in Hall bedeutete der milde Winter einen zum Teil 24-Stunden-Einsatz, um das laufend schmelzende Eis neu anzulegen. Dabei musste die Anlage zehn Tage gänzlich geschlossen bleiben, an rund einem Drittel der Betriebstage war der Eislaufbetrieb nur eingeschränkt möglich „2013 schrieb das Eissportcenter ein Minus von € 127.000,-. Dabei waren der erhöhte Personaleinsatz sowie der enorme Stromverbrauch die größten Kostentreiber. Weiters sank die Besucherzahl weiter auf 2.600 Personen. Im Vergleich dazu waren es in der Saison 2000 noch rund 15.000 Besucher. Damit haben wir dieses Jahr jeden Eintritt mit rund € 50,- finanziert, “ so Mag. Christian Holzknecht, Vorstandsvorsitzender der Hall AG. „Allein der Energieverbrauch für den Betrieb der Eisanlage in drei Monaten entspricht dem Strombedarf von rund 50 - 70 Familien für ein ganzes Jahr.“

Dass dieser milde Klimatrend noch anhält, bestätigen Modellierungen des Austrian Research Centers. So ist in Tirol mit einer künftigen Mindesterwärmung von + 1,5 bis 2,0 C in den Wintermonaten zu rechnen. Zudem soll sich die Zahl der Frosttage in vielen Tälern auf die Hälfte reduzieren.

Anlage benötigt umfassende Sanierung

Erschwerend kommt hinzu, dass dieEissportanlage in nächster Zeit umfassend saniert werden muss. Zum einen ist der technische Aufbau in die Jahre gekommen und entspricht nicht mehr dem aktuellen Standard. Zum anderen wurden die zwei Kältemaschinen aufgrund des Dauereinsatzes in den vergangenen Jahren übermäßig beansprucht und bedürfen nun einer Generalüberholung. „Generell ist die Lage des Eissportcenters oberhalb der Tiefgarage eine Herausforderung für uns. Die Wärme der Garage bringt aufgrund der fehlenden Isolierung das Eis von unten zum Schmelzen, Sonne und Wind von oben“, so Ing. Harald Graus, Leiter der Freizeitbetriebe der Hall AG.

Kunststoffeis als mögliche Alternative

„Wir prüfen derzeit eine innovative Alternative, durch den Einsatz von Kunststoffplatten den Betrieb der Sportanlage künftig wetterunabhängig auch für die nächsten Jahre sicherzustellen“, so Holzknecht. Dabei handelt es sich um ein synthetisches System der Firma Like-Ice, dessen selbstschmierende Platten wie ein Puzzle zusammengesetzt werden. „Die Vorteile dabei liegen in den sehr niedrigen Betriebskosten und dem geringen Wartungsaufwand. Nachdem kein Strom oder Wasser für den Betrieb benötigt wird und die Platten zu 100 % recyclebar sind, scheint das System für die Klimaschutzgemeinde Hall zudem ökologisch sinnvoll.“ so Holzknecht „Dabei ist klar, dass es sich dabei um kein Eis handelt, sondern um eine gute Kompromisslösung in Form von Kunststoff. Durch die Wetterbeständigkeit der Platten könnten wir die Eislauf- und Trainingszeiten noch weiter ausdehnen z.B. von Oktober – März, anstatt diese wie bisher, wetterbedingt reduzieren zu müssen.“ Insgesamt rechnet die Hall AG dabei mit einer Einsparung von jährlich rund € 50.000,-- an Personal- und Betriebskosten sowie weiteren € 100.000,-- an Investitionskosten zum herkömmlichen System.

Gespräche mit Haller Eislöwen und Eislaufverein

Derzeit führt die Hall AG konstruktive Gespräche mit den betroffenen Eissportvereinen über die mögliche Adaptierung der Anlage. Wie Kurt Harand - ehemaliger Eishockey-Nationalspieler und staatlich geprüfter Eishockeytrainer – bestätigt, eignet sich das System aus Kunststoff bestens für den Eissport. „Die Gleitfähigkeit liegt bei rund 80 % gegenüber herkömmlichem Eis und ist damit sehr gut. Die ersten Schritte auf dem Like Ice sind noch etwas ungewohnt, aber nach wenigen Minuten gewöhnt man sich daran, “ so Harand. „Zudem bietet das System gerade für Vereine den Vorteil von fix planbaren Trainingszeiten und verlängerten Saisonen“. Auf initialen Wunsch der Haller Eislöwen wird das Kunsstoffeis nun als Kompromisslösung in Erwägung gezogen. Die fehlende Ligatauglichkeit des Systems sorgt jetzt dennoch bei den Eishockeyspielern aus Weerberg und Hall für Skepsis. „Hier würden wir versuchen, gemeinsam mit den Eislöwen eine Lösung zu finden und Eiszeiten für Ligaspiele in anderen Sportstätten zu belegen. Wir haben dafür bereits auch unsere finanzielle Unterstützung in Aussicht gestellt“, so Holzknecht.

Das Eissportcenter Hall wurde 1998 ursprünglich als Publikums-Eislaufplatz errichtet, und entspricht daher nicht den Kriterien einer Wettkampf-Sportstätte. Um den Platz für den Eishockeysport auszustatten, wären Investitionen in der Höhe von rund  € 500.000,- – 700.000,- notwendig. „Das übersteigt bei weitem unsere Möglichkeiten“, so Holzknecht.

Bis Ende Mai will die Hall AG sämtliche Angebote und Möglichkeiten eingehend prüfen, um dann eine Entscheidung zu treffen, in welcher Form die Weiterführung des Eislaufplatzes erfolgen soll.