Paternostererabfall (Foto: Stadtarcheologie)

Neue Erkenntnisse über die Haller Stadtentwicklung

Im Zuge der Kanalsanierungsarbeiten in der Haller Altstadt  konnten weitere aufschlussreiche archäologische Ausgrabungen getätigt werden. Die Stadtarchäologie fasst zusammen, dass aktuell von Mitarbeitern der Stadtarchäologie der Grundriss des Schergentors vollständig freigelegt wurde und sich diese jetzt wenige Meter weiter südöstlich in einer Baugrube von etwa vier Metern Tiefe vorarbeiten. Die derzeitigen Freilegungen geben Aufschluss über die Situation im Stadtgraben.

Die abgelagerten Flusssande und –schotter liefern Hinweise auf ein natürliches Gerinne, welches mit der Zeit durch die Ablagerung von eingeschwemmtem Flusssediment aufgefüllt wurde. Dazwischen finden sich Abfallschichten mit zahlreichem Fundmaterial. Eine ältere Schicht an der südlichen Böschung des Gerinnes wird zunächst wieder ausgeräumt. Auf höherem Niveau entstand später eine nun horizontal liegende jüngere Abfallschicht. Aus beiden Schichten, aber auch aus den Flusssedimenten wurde zahlreiches Fundmaterial geborgen, und zwar aus dem Baggeraushub. Leider konnten in der zur Verfügung stehenden Zeit nur kleinere Mengen an Material gesichert werden. Auch konnten die Funde kaum stratigraphisch getrennt werden. Die gefundene Keramik datiert die Sedimente um 1300. Besonders erfreulich ist aber, dass nun erstmals eine namhafte Menge von Abfall der Paternosterer gefunden wurde.

Damit ist belegt, dass um 1300 in Hall größere Mengen Tierknochen zu Perlen, Ringen etc. verarbeitet wurden. Abfälle der Würfelherstellung waren nicht darunter. Das Material (Keramik, Leder, Holz, Schlacken …) wurde vermutlich in den Graben verkippt und etwas flussabwärts vertragen. Die Baugrube liegt knapp abseits der Stadtgrabenböschung. Die Schichten zeigen ein durch Fließwasser wohl immer wieder verändertes Flussbett. Die große Einsandung von 1275 ist hier nicht zu erkennen, wird also wohl wieder ausgeräumt worden sein oder bestand hier nur aus gröberem Sediment. Die starke Rötung (tlw. Schwärzung) der Schichten belegt ständige Durchfeuchtung bzw. Stauwasser (Eisenoxide).

Nähre Infos erhalten Sie über die Stadtarchäologie Hall i. T., Burg Hasegg 6, A-6060 Hall i. T.